
Padel im Tennisverein: Chance oder Konkurrenz? Eine Entscheidungshilfe statt einer Meinung
Deutschland hat 2.297 Padel-Courts – Anfang 2023 waren es rund 130. Ob euer Verein einen bauen sollte, hängt an fünf Fragen, die ihr mit euren eigenen Zahlen beantworten müsst.
In Deutschland stehen aktuell 2.297 Padel-Courts auf 709 Anlagen, verteilt auf 477 Städte und Gemeinden. Anfang 2023 waren es rund 130. Das ist keine Modeerscheinung mehr, über die man in zwei Jahren nicht mehr spricht – das ist ein Markt, der sich seit 2021 mit rund 81 Prozent pro Jahr aufgebaut hat.
Entsprechend steht die Frage in immer mehr Vorstandssitzungen: Bauen wir einen Court?
Wir haben dazu keine Meinung, die für euren Verein etwas wert wäre. Was wir liefern können, ist die Rechnung – und die Zahlen, die dafür aktuell auf dem Tisch liegen.
Warum die Frage unbequem ist
Die Verbände haben sich positioniert. Der DTB hat Padel, Beach-Tennis und Pickleball in seinen Satzungszweck aufgenommen und sieht Padel als Türöffner für neue Mitglieder. In Bayern läuft eine BTV-Padel-Liga mit 113 Mannschaften in vier Leistungsklassen, es gibt eine DTB-anerkannte C-Trainer-Ausbildung Padel, und der BLSV bezuschusst den Courtbau im Rahmen der Sportstättenförderung mit 25 Prozent.
Gleichzeitig gibt es ernstzunehmende Kritik aus der Basis. Sie richtet sich weniger gegen Padel selbst als gegen die Verdrängung: Private Hallenbetreiber steigen auf Padel um, weil die Rendite besser ist, und den Tennisvereinen fehlen anschließend Trainingszeiten. Besonders Kinder- und Jugendtraining gerät unter Druck, und ländliche Vereine ohne Flächenreserven können nicht einfach nachziehen.
Beide Seiten haben recht – nur eben für unterschiedliche Vereine. Deshalb ist die allgemeine Antwort wertlos und die eigene Rechnung entscheidend.
Die fünf Fragen
1. Was gebt ihr auf?
Ein Padel-Court hat eine Spielfläche von 20 × 10 Metern, umschlossen von drei bis vier Meter hohen Glas- und Gitterwänden. Ein Tennisplatz belegt mit Auslaufzonen je nach Ausführung rund 650 bis 670 Quadratmeter – rechnerisch passen dort zwei Padel-Courts samt Umgang. Die genaue Aufteilung muss euch ein Platzbauer bestätigen.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob Platz da ist, sondern welcher. Eine ungenutzte Randfläche ist etwas völlig anderes als der Platz 5, auf dem im Sommer die Jugend trainiert.
2. Was kostet es wirklich?
Aktuelle Richtwerte für den Neubau liegen bei etwa 30.500 bis 74.000 Euro für einen Outdoor-Court. Ein Indoor-Court in einer bestehenden Halle ist mit rund 23.000 bis 58.000 Euro günstiger, weil die Gründung entfällt. Die Spannen sind groß, weil Unterbau, Beleuchtung und Ausstattung stark variieren.
Als Refinanzierungsdauer werden bei durchschnittlicher Vermietung sechs bis zehn Jahre genannt. Rechnet mit dem oberen Wert und fragt beim Landessportbund nach Förderung – in Bayern sind es 25 Prozent, andere Länder haben eigene Programme.
3. Wer spielt darauf – und zu welchem Preis?
Der bundesweite Median liegt bei 32 Euro pro Stunde zur Hauptzeit und 26 Euro in der Nebenzeit, die Spanne reicht von 8 bis 53 Euro. Das klingt attraktiv, bis man die Auslastung dagegenrechnet.
Die ehrliche Frage lautet: Wie viele Stunden pro Woche bekommt ihr belegt, und zwar im November, nicht im Juni? Wer diese Zahl nicht belegen kann, rechnet mit Wunschdenken. Ein Blick auf eure aktuelle Tennisplatz-Auslastung ist der beste verfügbare Näherungswert – wenn eure Plätze heute nicht voll sind, wird ein Padel-Court das Problem nicht lösen, sondern vergrößern.
4. Wer macht die Arbeit?
Ein Court ist eine Fläche, kein Angebot. Es braucht jemanden, der Schnupperstunden organisiert, Anfänger an die Regeln heranführt und die Buchungen im Blick behält. Trainerqualifikation gibt es inzwischen über die Landesverbände, aber die Person muss es im Verein geben.
Wenn die ehrliche Antwort "das macht der Sportwart nebenbei mit" lautet, ist das eine Antwort – nur eben keine gute.
5. Gibt es bei euch Wettspielbetrieb?
Für einen Teil der Mitglieder ist Padel ein lockeres Freizeitangebot, für einen anderen wird es erst mit Punktspielen interessant. Ob es in eurem Landesverband eine Liga gibt und wie weit die vom Verein entfernt spielt, entscheidet mit darüber, ob das Interesse nach der ersten Saison hält.
Drei Situationen, drei Antworten
Der Stadtverein mit Warteliste. Volle Plätze, Aufnahmestopp, Flächenreserve vorhanden. Hier ist Padel meist die naheliegendste Erweiterung: zusätzliche Kapazität, neue Zielgruppe, planbare Auslastung.
Der Verein mit Fläche, aber halbleeren Plätzen. Hier ist Padel ein Auslastungsproblem, das mit Kapitaldienst kommt. Die Ursache liegt selten am Angebot, sondern an Bindung und Sichtbarkeit – und die löst kein zweiter Sport.
Der ländliche Verein mit knapper Hallenzeit. Die schwierigste Lage. Padel kostet hier direkt Tennis-Trainingszeit, und genau darauf zielt die Kritik. Wenn ihr in dieser Situation baut, braucht ihr vorher eine belastbare Antwort, was mit dem Jugendtraining passiert.
Der Denkfehler, der am häufigsten passiert
Das Wachstum von 130 auf 2.297 Courts wird oft als Beweis gelesen, dass sich ein Court lohnt. Es beweist nur, dass viele gebaut wurden. Ein erheblicher Teil dieser Anlagen ist kommerziell betrieben, mit anderen Öffnungszeiten, anderer Preisgestaltung und einem Einzugsgebiet, das ein Verein nicht hat.
Der Markt wächst – das heißt nicht, dass er an eurem Standort noch Platz hat. Prüft, wie viele Courts im Umkreis von 20 Kilometern bereits stehen, bevor ihr weiterrechnet.
Wo wir ins Spiel kommen
Zwei Punkte, bei denen Ace praktisch hilft.
Vor der Entscheidung: Die Frage nach eurer echten Platzauslastung lässt sich nur beantworten, wenn Buchungen erfasst werden. Wer heute mit Steckbrett und Zuruf arbeitet, schätzt – und schätzt bei Investitionsentscheidungen dieser Größenordnung meist zu optimistisch. Das Vorstands-Dashboard zeigt Auslastung und Buchungen auf einen Blick, und zwar über die ganze Saison, nicht nur im Gefühl.
Nach der Entscheidung: Padel-Courts lassen sich in Ace als eigene buchbare Ressource abbilden, mit eigenen Zeiten, Preisen und Regeln. Mitglieder buchen Tennis und Padel in derselben App, und ihr seht beides in derselben Auswertung – statt ein zweites System für den zweiten Sport zu betreiben.
Wollt ihr wissen, wie eure Plätze wirklich ausgelastet sind, bevor ihr investiert?
Bucht eine Demo oder vereinbart ein Pilotgespräch.
Stand: September 2026. Kosten- und Preisangaben sind Marktrichtwerte und ersetzen keine Angebote von Platzbauern. Fördersummen und Ligastrukturen unterscheiden sich je nach Bundesland und Landesverband.
Quellen
PadelCompass Atlas, Padel-Statistiken Deutschland, Erhebung September 2026 (Courts, Anlagen, Preise, regionale Verteilung) – padelcompass.de
Sportstättenrechner, Padelplatz bauen: Kosten und Finanzierung – sportstaettenrechner.de
Sportstättenrechner, Maße und Ausstattung eines Padel-Courts – sportstaettenrechner.de
Bayerischer Tennis-Verband, Padel für Vereine (Liga, Trainerausbildung, BLSV-Förderung) – btv.de
TMS Tennis Horb, "Padel oder Tennis" (Kritik aus Vereinssicht, DTB-Satzungszweck) – tms-tennis.de
Titelbild von Sergio Contreras auf Unsplash